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45

15. 3. 1857

lf. Nr.

Aussteller

Carl A.

Empfänger

Marie A.

Liebe Mimi!
Johanns letzter Brief hat mich belehrt, daß außer uns Zweien u. der alten Schwägerin Theres beinahe die ganze Familie guter Hoffnung ist. Eduards Frau und Emilie mögen ganz Recht haben, daß sie sich mit solchen Angelegenheiten befassen, bei Louisen und Fritzi erscheint die Sache schon mehr als Luxusartikel. Man kann sich aber so etwas nicht immer aufriemen[?] wie man möchte und muß es hinnehmen, wenn es eben kommt, u. so kann man auch nichts thun, als allen das beste Gedeihen wünschen – was ich Dir auch aus vollem Herzen thue.
Ich habe Johann schon vor 14 Tagen geschrieben, daß ich wieder zu meinem Regiment einrücke, denn es ist hier ein ganz neue Organisirung des Armee Oberkommandos vor sich gegangen, wodurch die Abtheilung, deren Vorstand ich war, an die bezirkskommissariatischen Beamte überging, und so fahre ich wieder ab. Da ich von Anfang her nur „temporair“ hieher commandirt war, mir auch mein Regimentskommando immer vorbehalten wurde, so kann ich mich durchaus über kein Unrecht oder Zurücksetzung beschweren - und einer mußte hieher commandirt werden. Nur ists in pecuniärer Hinsicht empfindlich für denjenigen, den es gerade trifft. Ich habe das auch den allerhöchsten Herrschaften gesagt und es wurde mir versprochen, mich durch Anweisung von Pferden etc. zu regressieren. In wie weit diese schönen Zusicherungen erfüllt werden, wird mir wohl die nächste Zukunft zeigen.
Ich bin vorläufig um einen achtwöchentlichen Urlaub eingeschritten, hab ihn auch erhalten und werde sohin gegen Ende April nach Hermannstadt abgehen. Vielleicht besucht mich Johann noch früher, ich hab ihm geschrieben, daß er mir es in diesem Fall früher bekannt geben soll, damit ich zuhause bin, wenn er kommt, weil ich noch eine Reise nach Görz beabsichtige, um meinen alten Inhaber zu besuchen. Meine zwei größeren Buben laße ich hier, den kleinesten mit der alten Frau werde ich nach Hermannstadt schicken und dann einen ziemlich langweiligen Garçon Lebenswandel führen. Das muß man sich Alles gefallen lassen, solange man in Diensten steht.
Nun lebe recht wohl und grüße mir Alle.
Dein alter Bruder Carl
Eduard Hayden kannst Du sagen, daß ich ihm vor meinem Abgehen jedenfalls noch in seiner mir übertragenen Angelegenheit schreiben werde. Ich erwarte nur den Erfolg der diesfalls eingeleiteten Erhebungen.

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